Emotionen am Arbeitsplatz, Teil 2: Wut, Neid, Unsicherheit, Frust & Langeweile



Wie bereits im ersten Teil dieses Artikels erwähnt, sind negative Gefühle im Berufsleben allgegenwärtig. Als Arbeitgeber kannst du diese Emotionen nichts komplett vermeiden, sie und ihre Auswirkungen aber reduzieren.


Dieser zweite Teil behandelt die Emotionen Wut, Neid, Frust und Unsicherheit & Langeweile.


In diesem Artikel erfährst du:

  • wie und warum diese Emotionen entstehen

  • wie du richtig mit ihnen umgehst, wenn sie auftreten

  • wie du sie grundlegend reduzieren kannst


Hier findest du den ersten Teil über die Entstehung, Auswirkungen und Vorbeugung von Stress Emotionen am Arbeitsplatz, Teil 1: Stress


Lass uns direkt ins Thema starten!


Inhaltsverzeichnis


Emotionale Reaktionen sind individuell

Negative Emotionen am Arbeitsplatz

Wie negative Emotionen auf der Arbeit entstehen

Wie negativen Emotionen vorbeugen?

Grundlegendes Verhalten, um negative Emotionen zu minimieren

Negative Emotionen in Akutsituationen

Wut

Neid & Eifersucht

Unsicherheit

Frust

Langweile

Fazit: Negative Emotionen lassen sich nicht verhindern, aber reduzieren!




Emotionale Reaktionen sind individuell


Kurz vorweg: in diesem Artikel geht es um Gefühle, die immer mal wieder oder phasenweise auftreten, nicht um eine allgemeine Unzufriedenheit über grundlegende Gegebenheiten.


Emotionen - positive und negative - sind extrem individuell, was bedeutet, dass dieselbe Situation sehr unterschiedliche Gefühle und Reaktionen bei verschiedenen Personen hervorrufen kann.

Was den einen Mitarbeiter wütend macht, macht einen anderen traurig und wieder jemand anderem ist das Ereignis quasi gleichgültig.


Das gleiche Ereignis ruft unterschiedliche emotionale Reaktionen in Menschen hervor.

Doch nicht nur das Gefühl an sich variiert, sondern ebenfalls die Stärke des Empfindens und auch, wie dieses nach außen gezeigt wird.


Aufgrund dieser Einzigartigkeit von Gefühlswelten und Toleranzgrenzen gibt es keinen allgemeingültigen Leitfaden, mit dem jede Situation gelöst werden kann.


Die gute Nachricht ist, dass du als Arbeitgeber mit dem richtigen Umgang hochemotionale Situationen und Konflikte deeskalieren und konstruktiv beeinflussen kannst.


Wenn du die Verantwortung für die negativen Emotionen deiner Mitarbeiter übernimmst, gibst du dir gleichzeitig die Macht, diese zu reduzieren.

Negative Emotionen am Arbeitsplatz


Es gibt einige typische, negative Empfindungen, die immer wieder am Arbeitsplatz entstehen und auftreten können, wie z.B.

  • Wut

  • Angst

  • Frust

  • Ungerechtigkeit

  • Überforderung

  • Neid

  • Unsicherheit

  • Langeweile

und viele mehr!


Auch wenn diese Emotionen unterschiedlich sind, haben sie drei gemeinsame und bedeutende Auswirkungen.


1. Stress


Stress kann die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft reduzieren.

Dauerhafter, chronischer Stress kann zu gesundheitlichen Schäden führen und auch die Motivation von Mitarbeitern minder. Dadurch verliert dein Unternehmen an Produktivität und es kommt zu Effizenzverlusten.


Welche Auswirkungen im Detail Stress und Ängste auf deine Mitarbeiter haben, erfährst du in diesem Artikel Emotionen am Arbeitsplatz, Teil 1: Stress


2. Ablenkung


Negative Gefühle lenken den Fokus von der Arbeit auf das Gefühl und seine Ursachen. Deine Mitarbeiter können sich nicht mehr oder weniger auf ihre Aufgaben konzentrieren.

Die Produktivität sinkt und mit ihr auch die Kreativität. Die Unzufriedenheit und Fehlerquote dagegen steigen.


3. Anstrengung


Negative Emotionen sind verdammt anstrengend. Sie nehmen deinen Mitarbeitern nicht nur die mentalen Kapazitäten, sondern rauben ihnen auch körperliche Energie.

Deinen Angestellten fehlt dann logischerweise die Kraft für berufliche Bestleistungen.




Wie negative Emotionen auf der Arbeit entstehen


Es gibt viele verschiedene Gründe für die Entstehung von negativen Emotionen auf der Arbeit. Diese Gründe zu kennen und zu erkennen ist essentiell, um sie zu deinen Gunsten zu steuern.


Daher besprechen wir nun die häufigsten Ursachen - neben Stress- für negative Emotionen.


Konflikte


Dort, wo unterschiedliche Meinungen oder Interessen aufeinander treten, existiert ein Potential für Konfliktsituationen oder sogar Streits.

Es kann z.B. zu Auseinandersetzungen unter Kollegen oder zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, über berufliche aber auch private Themen kommen.


Häufig werden negative Emotionen durch Konfliktsituationen erzeugt.

Kaum ein Konflikt hat keine negative Emotionen zur Folge. Daher ist ein konstruktives Konfliktmanagement in deinem Unternehmen absolut notwendig.


Trigger


Fast alle von uns haben Auslösereize, die gewisse Gefühle in uns hervorrufen, sogenannte Trigger.

Diese Triggerpunkte treffen uns persönlich, weil sie uns mit uns selbst unerwünschten Eigenschaften oder Ereignissen konfrontieren.


Trigger können unsere Gefühlslage blitzschnell ändern.

So können in einer friedliche scheinenden Situation für Einzelperson negative Emotionen getriggert werden, ohne, dass für die anderen Anwesenden ersichtlich ist. Witze und Sprüche sind hierfür ein gutes Beispiel in der Arbeitswelt, die jemand schnell “in den falschen Hals kriegen kann”.


Trigger können auf diese Weise zu stillen negativen Emotionen, aber auch zu Konflikten und sogar Gefühlsausbrüchen führen.


Aufgestaute Kleinigkeiten


Viele kleine, aufgestaute und als negativ empfundene Ereignisse können die gleichen Konsequenzen wie die Trigger haben.

Ist die Toleranzgrenze erreicht, kann eine triviale Aussage oder Situation ebenfalls zu Konflikten etc. führen.


Diese ist dann der zufällige Auslösereiz, der lediglich "der letzte Tropfen ist, der das Fass zum überlaufen bringt."

Wie negativen Emotionen vorbeugen?


Emotionen zu verstehen und zu wissen, wie man mit ihnen umgeht, ist enorm wichtig, um Situationen zu beruhigen - als Betroffener sowie als Außenstehender. Emotionen sind nicht rational und können daher von außen nicht immer verständlich sein.


Die Kunst ist es, auf Emotionen konstruktiv reagieren zu können. Auch, wenn wir sie nicht verstehen oder gutheißen.

Als Arbeitgeber gibt es für dich zwei Schritte:


Schritt 1:


Schaffe eine grundlegende und wohlwollende Atmosphäre, die diese typischen Emotionen seltener und schwächer aufkommen lässt.


Schritt 2:


Bei akuten Konfliktsituationen beruhigend reagieren.



Wir widmen uns nun Schritt 1.



Grundlegendes Verhalten, um negative Emotionen zu minimieren


Es gibt einige Verhaltensweisen, die negative Emotionen vorbeugen oder ihre Intensität reduzieren können.

Sie einzuführen erfordert Geschick und Geduld von dir als Vorgesetzten, denn es reicht nicht, sie deinem Team ein oder zwei mal vorzulesen oder sie im Büro aufzuhängen.


Sie sollten ein fester Bestandteil der Leitlinien und Werte werden und vor allem müssen sie grundlegend vermittelt werden. Sie erst in akuten Situation einzusetzen, hat einen deutlich geringeren Effekt und kann sogar kontraproduktiv sein.


Die ersten drei Leitsätze stammen aus dem Buch Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden von Dale Carnegie.




Verständnis für andere zeigen


Empathie ist eine essentielle Eigenschaft für einen positiven Umgang mit Menschen - egal ob im Berufsleben oder privat.


In den meisten Fällen sind es die Verhaltensweisen, die wir nicht nachvollziehen können, die uns aufregen. Und da wir ja sauer sind, versuchen wir gar nicht, dieses Verhalten zu verstehen.


Dabei kann es enorm helfen, ernsthaft zu versuchen, den Standpunkt des anderen zu verstehen. Denn es ist äußerst selten, dass Menschen einem grundlos schaden wollen.


Wenn deine Mitarbeiter lernen, trotz z.B. empfundener Wut daran zu denken, dass der andere irgendwelche Gründe für seine Handlungen hat und dann versucht, diese nachzuvollziehen, kann dies die negativen Emotionen deutlich vermindern.


Anderen Menschen stets positive Absichten unterstellen


Diese Verhaltensregel ist eine Erweiterung vom Verständnis für andere und geht einen Schritt weiter. Die Aufgabe ist, seinen Mitmenschen stets positive Absichten zu unterstellen.


Selbst, wenn deine Mitarbeiter ein Verhalten nicht nachvollziehen können oder sich sogar gekränkt dadurch fühlen, sollten sie versuchen, grundlegend eine gute Intention und Wohlwollen zu interpretieren.


Denn aufgrund von selektiver Wahrnehmung können Aussagen sehr unterschiedlich gemeint sein und gedeutet werden, das berühmte Sender-Empfänger-Problem.


Missverständnissen und schwachen Triggern können mit dieser Herangehensweise vorgebeugt werden.


Andere Meinungen akzeptieren und wertschätzen


In einer Welt voller Individualisierung wird schnell der Fokus auf sich selbst gelegt. Dabei verlernen wir schnell den Umgang mit Personen, die anders sind oder denken als wir.


Wir empfinden schnell Sympathie für Menschen mit den gleichen Ansichten, Kultur, Hobbys etc. Es fällt uns leicht, Menschen mit Gemeinsamkeiten respektvoll und wertschätzend zu behandeln.


Deutlich schwieriger ist es, unsere Mitmenschen mit anderen Meinungen zu akzeptieren. Themen wie Religion, Politik, Ernährung und Lebensweisen können schnell zu Konflikten führen, auch am Arbeitsplatz.


Daher solltest du deinen Mitarbeitern vermitteln, wie wichtig es ist, die Meinung von anderen zu akzeptieren und zu achten.


Emotionen von außen betrachten


Was können wir tun, wenn unsere negativen Emotionen uns derart überwältigend, dass wir die ersten drei Regeln nicht anwenden können?


Bei sehr starken Gefühlen neigen wir dazu, uns in diesen für den Moment komplett zu verlieren. Wir verlieren die Kontrolle.

Für diese Situationen gibt es einen kleinen, aber wirksamen Trick: Betrachte dich und deine Emotionen von außen als Beobachter. Dieser Trick stammt aus dem Buch Jetzt! - Die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle.


Anstatt sich selbst einzugestehen, dass man gerade nur wütend oder traurig ist, beobachte, dass nur ein Teil von dir dieses Gefühl empfindet.


Hier ist auch die Erklärung von dem Author Mark Manson aus seinem Buch Everything is Fucked: Ein Buch über Hoffnung sehr nützlich. Er unterscheidet zwischen einem rationalen und einem emotionalen Gehirn. Diese Betrachtung kann uns helfen, unsere Emotionen besser zu kontrollieren, da sie uns Distanz zu ihnen gibt.


Erkläre deinen Mitarbeitern, dass sie selbst in hoch emotionalen Situationen nicht zu 100% das sind, was sie gerade fühlen, sondern das dies eben nur eine derzeitige Empfindung ist. Dadurch gewinnen sie mehr Abstand zu dieser Emotion und verlieren sich nicht so stark in dieser.


Emotionen bewusst wahrnehmen


In Ergänzung zum Beobachten der einen Gefühle besprechen wir nun die bewusste Wahrnehmung dieser. Einige Menschen tun dies automatisch und können ihre Gefühle gut unterscheiden und interpretieren.


Doch ebenso viele Menschen haben diese Fähigkeit nicht. Sie wissen gar nicht, ob sie gerade sauer, traurig, verletzt, hilflos, neidisch oder frustriert sind, sie fühlen sich einfach schlecht. Oft wird an diesem Punkt Wut empfunden.


Es ist schwer bis unmöglich, mit seinen Gefühlen zu arbeiten, wenn man nicht mal sagen kann, was man gerade fühlt.


Wenn deine Mitarbeiter sowieso schon dabei sind, ihre Emotionen zu beobachten, dann sollten sie auch versuchen, sie so genau wie möglich zu bestimmen und ihren Ursprung herauszufinden.


Ein gutes Vorbild sein


Dies ist eine Verhaltensregel für dich und alle Führungskräfte in deinem Unternehmen: Lebe die Leitlinien vor!


Wenn deine Angestellten sehen, dass du abweichende Meinungen achtest, Verständnis für andere hast und dass du allen Kollegen stets positive Absichten unterstellt, dann ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass sie dieses Verhalten adaptieren.


Solltest du oder andere Führungspersonen stets Wutausbrüche haben, sich über die Meinungen anderer lustig machen und keinerlei Empathie für andere zeigen, warum sollten sie es euch nicht gleich tun?


Daher ist es für dein Unternehmenserfolg entscheidend, dass du eine produktive und wohlwollende Arbeitsatmosphäre schaffst.



Negative Emotionen in Akutsituationen


Nun kommen wir zu Schritt 2 und schauen uns deine konstruktiven und deeskalierenden Handlungsmöglichkeiten direkt im Bezug zu den häufigsten, negativen Emotionen am Arbeitsplatz an.


Denn egal wie gut du und deine Mitarbeiter die eben genannten Richtlinien zum Umgang etablieren, negative Emotionen werden trotz dessen entstehen. Dazu kommt, dass diese Emotionen auch kombiniert auftreten oder sich gegenseitig auslösen können.


Daher schauen wir nun, welche Handlungsmöglichkeiten du in Akutsituationen hast.



Wut


Wut gibt uns einen Energieschub und macht uns aggressiv. Sie kann viele verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise kann sie direkt durch empfundene Ungerechtigkeit oder Kränkung entstehen, aber auch indirekt durch andere Emotionen wie Scham, Angst oder Hilflosigkeit.


Das Gefühl von Wut entsteht durch die Ausschüttung verschiedener Stresshormone und bedeutet daher per se Stress.

Im Berufsleben führen folgende Faktoren häufig zu Wut:

  • Kritik vom Chef (oder Kollegen)

  • Meinungsverschiedenheiten

  • Ungerechte Behandlung

  • Neid

  • Veränderungen

  • Private Probleme


Wie wütende Arbeitnehmer beruhigen


Je wütender und aufgebrachter ein Mitarbeiter ist, desto weniger offensichtlich sollten deine Beruhigungsversuche sein.


Einen aufkommenden Ärger oder leichte Wut kannst eventuell mit der Sender-Empfänger Erklärung oder mit dem Unterstellen einer positiven Absicht lösen.


Doch wenn wir so richtig in Rage sind, dann bringen uns Logik und Lösungsvorschläge nicht weit und können uns sogar noch wütender machen. Um zu unserer Metapher von zuvor zurückzukommen: unser fühlendes Gehirn ist dominant, das rationale Gehirn hat gerade Sendepause.


Mitten in einem Wutausbruch wollen wir nicht beschwichtigt werden!

Wenn unser fühlendes Gehirn das Sagen hat, machen uns Argumentationen, warum unsere Gefühle nicht korrekt sind, nur noch wütender.




Anfang 2021 ging dieser Twitter Post mit einem sehr einfachen und doch enorm wirksamen Tipp viral und er lässt sich super auf der Arbeit anwenden.


Wenn dein Mitarbeiter also gerade dabei ist, dir die Gründe für seine Wut zu erzählen, dann frage ihn verständnisvoll, ob er Lösungsvorschläge hören möchte oder ob er einfach erstmal erzählen möchte.


So beruhigst du einen Angestellten deutlich schneller, als wenn du ihm sagst, dass er sich beruhigen soll oder ihm erklärst, dass er ja gar nicht wütend sein braucht. Denn wenn du auf diese Weise reagierst, bekommt er das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.


Wenn du diese Frage in deiner Firma einführst, können sich auch deine Mitarbeiter untereinander besänftigen.


Wenn die Wut dann nicht mehr akut ist, kannst du mit deinem Mitarbeiter über eventuelles Fehlverhalten reden. Auch hier solltest du einen förderlichen Umgang an den Tag legen, selbst, wenn dein Mitarbeiter wirklich Mist gebaut hat.



Neid & Eifersucht


Die Gefühle Neid und Eifersucht können wirklich schrecklich sein. Der Unterschied ist übrigens, dass neidische Menschen etwas von anderen begehren, was sie selbst nicht besitzen und eifersüchtige Menschen haben Angst, etwas, das sie besitzen, an jemand anderen zu verlieren.


Auf der Arbeit können beide Gefühle arbeitsbezogene Ursachen haben, wie eine Beförderung, ein neuer attraktiver, großer Kollege oder ein Lob.


Ab und zu mal leichten Neid oder Eifersucht zu empfinden, ist normal und wir können sogar einen Vorteil daraus ziehen. Schließlich können wir anhand von Neid erkennen, was uns fehlt oder was wir uns wünschen.


Doch dauerhafter und starker Neid raubt uns Energie und Selbstwertgefühl, dazu kann er in weiteren negativen Emotionen wie Wut oder Trauer resultieren.


Im Berufsleben wird Neid vermutlich häufiger auftreten als Eifersucht, doch beide Gefühle sind definitiv leistungsmindernd. Dazu ist Neid ein zwischenmenschliches Problem und kann zu Missgunst und Konflikten führen, was das Teamwork stört und reibungslose Zusammenarbeit verhindert.


Dein Unternehmen profitiert also enorm davon, wenn du Neid und Eifersucht auf ein Minimum reduzieren kannst.


Wie Neid beseitigen?


Als Außenstehender ist es nicht leicht, neidischen oder eifersüchtigen Menschen zu helfen, denn ein wichtiger Schritt zur Beseitigung von Neid, ist diesen selbst anzuerkennen.

Nur wer seinen Neid wahrnimmt und auch entscheidet, etwas gegen ihn zu tun, kann aktiv gegen ihn vorgehen.


Bereits dieser erste Schritt ist nicht leicht, da Neid eine negative Emotion ist, die sich kaum jemand gerne eingesteht. Jeder steht dazu, mal wütend oder traurig zu sein, doch Neid ist uns meistens unangenehm.

Daher solltest du auch niemanden als neidisch bezeichnen, auch wenn du weißt, dass es sich um dieses Gefühl handelt.


Es gibt zwei Methoden, um Neid zu beseitigen und vorzubeugen:


Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl steigern


Auch dies ist ein sensibler Themenbereich, denn auch ein zu einem niedrigen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stehen wir nicht gerne.


Wir unterscheiden Selbstvertrauen, das Vertrauen in unsere Kompetenzen und das Gefühl, die Herausforderungen des Lebens meistern zu können und das Selbstwertgefühl, das Gefühl wertvoll zu sein und glücklich sein zu dürfen.


Beides ist notwendig, um zuversichtlich, zufrieden und entspannt durch das Leben zu gehen. Dies führt zu einer Aufwärtsspirale, da wir mit einem guten Selbstvertrauen bessere Leistungen erzielen, die uns wiederum mehr Selbstvertrauen geben.


Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl sind sich selbst erfüllende Prophezeiungen.

Daher ist für dich als Arbeitgeber ein gesundes Selbstwertgefühl deiner Mitarbeiter von großer Bedeutung. Durch Lob, Anerkennung und Einbindung deiner Angestellten kannst du ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl positiv beeinflussen.


Wie wichtig die Einbindung von Mitarbeitern ist, erfährst du in diesem Artikel über Engagement Wie du durch Mitbestimmungsrechte das Engagement deiner Mitarbeiter erhöhst



Allerdings kannst du diesen Aufbau nur bedingt unterstützen, da Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl überwiegend aus dem eigenen selbst kommen. Die Kunst ist hier, unauffällig Gespräche und Hinweise zu geben, indem du z.B. über dich selbst sprichst.


Eigenverantwortlichkeit stärken


Neidische Menschen sehen den Erfolg, auf den sie neidisch sind, meist als zufällig oder ungerechtfertigt an. Mit dieser Sichtweise werden auch die eigenen Misserfolge mit Pech begründet oder als unfair angesehen.


Neidischen Menschen fehlt meistens das Gefühl von Eigenverantwortlichkeit.

Eigenverantwortlichkeit bedeutet, die Verantwortung für alle Geschehnisse im Leben die Verantwortung aktiv zu übernehmen.

Es ist die Lebenseinstellung, dass man nicht alles kontrollieren kann, aber dass man kontrollieren kann, wie man reagiert. Daher auch die Bezeichnung Ver-ANTWORT-ung oder im Englischen response ability.


Eigenverantwortliche Menschen sind weniger neidisch, da sie sich ja selbst in der Pflicht sehen, für ihren eigenen Erfolg zu sorgen.


Wem wir die Schuld geben, geben wir die Macht - dem Zufall, anderen Menschen oder uns selbst.

Es kann schon reichen, wenn du unauffällig über dieses Thema mit deinen Mitarbeitern anfängst zu sprechen. So kannst du die ersten Schritte eines langfristigen Wandel des Mindsets in Gang setzen.

So verlieren sie das Gefühl, dass sie ihrem Neid hilflos ausgeliefert sind.



Unsicherheit


Lass uns mit einer eng verbundenen negativen Emotion weitermachen: der Unsicherheit. Gemeint ist hier Unsicherheit wegen unseres Aussehens, unserer Fähigkeiten, unseres Charakters usw. aber auch Unsicherheit bezüglich der Zukunft.


Insbesondere neue oder frisch beförderte Mitarbeiter können unsicher sein, ob sie den neuen Aufgaben gewachsen sind und auch, ob sie generell passend sind.


Auch hier ist sind wieder Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl von großer Bedeutung.


Selbstvertrauen bedeutet nicht: ich kann alles und weiß alles, sondern das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, schwierige Situationen irgendwie meistern zu können.

Unsicherheit entsteht also durch eine Angst vor zukünftigen, noch nicht eingetretenen Ereignissen. Wir befürchten zu scheitern oder andere negative Situationen, in der wir außerhalb unserer Komfortzone sind.


Doch nur außerhalb unserer Komfortzone lernen und wachsen wir.

Die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen und sich an Veränderungen anzupassen, nennt sich Resilienz. Menschen mit geringer Resilienz streben nach Sicherheit.


Sicherheit ist ein Trugschluss, denn wir können Veränderungen nicht entkommen oder kontrollieren. Daher sind die Menschen am erfolgreichsten, die den stetigen Wandel akzeptieren und immer wieder lernen, sich anzupassen.


Gebe deinen Mitarbeitern das Gefühl, dass Unsicherheit ganz normal ist und dass sie den Herausforderungen gewachsen sind. Versuche ihnen zu vermitteln, dass Angst zum Lernen dazu gehört und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


Auch in diesem Gebiet kannst du als Arbeitgeber nur indirekt auf das Thema aufmerksam machen und versuchen, die Sichtweise deiner Angestellten zu beeinflussen.



Frust


Eine Frustration ist das Erlebnis eines unfreiwilligen Verzichts auf Erfüllung einer Erwartung oder eines Wunsches. Diese Erlebnisse sind normal und gehören zum Leben und auch zum Arbeitsleben dazu.


Hier ist es wichtig zu wissen, dass jeder Mensch eine Frustrationstoleranz hat. Diese ist ausschlaggebend für die Wahrnehmung von Frust und wie viel Frustration wir aushalten können. Wann und wie stark Frust empfunden wird, ist also individuell.


Auf der Arbeit kann Frust durch eigene oder fremde Fehler, Probleme und diverse Unannehmlichkeiten entstehen. Nervige Kunden zum Beispiel können sehr frustrierend sein.


Da Frust sich ebenfalls negativ auf die Produktivität auswirken und sich in verschiedenen anderen Emotionen wie Wut oder Trauer zeigen kann, solltest du eine hohe Frustrationstoleranz fördern.


Die von mir empfohlenen Basisregeln tragen hierzu grundlegend schon einen enorm großen Teil bei. Zusätzlich kannst du deinen Mitarbeitern aufzeigen, dass Probleme ihre Frustrationstoleranz erhöhen.


Bei einem akuten Empfinden von Frustration ist eine Pause und ein offenes Ohr sowie Zustimmung die beste Medizin.



Langweile


Die letzte negative Emotion mit der wir uns befassen ist die Langeweile.


Auf der Arbeit kann Langeweile beispielsweise durch zu wenig Arbeit, zu wenig Druck, zu wenig Motivation oder durch die Tätigkeit an sich entstehen.

Auch kommt es zur Langeweile, wenn über lange Zeiträume die selben, eintönigen Aufgaben bearbeitet werden.


Langeweile auf der Arbeit an sich ist gar nicht so schlecht, denn wenn wir jahrelang Erfahrung in unserem Beruf haben, dann wird er automatisch etwas langweilig.

Selbst der spannendste Traumjob wird irgendwann zur Routine und die Aufgaben werden zu automatisierten Gewohnheiten.


Gewohnheiten wiederum sind einer der größten Erfolgsfaktoren überhaupt.

Warum Gewohnheiten so entscheidend für den Erfolg sind, erfährst du in diesem Artikel

Warum Gewohnheiten entscheidend für den Erfolg sind - und nicht Motivation!



Würden wir dauerhaft die Aufregung vom ersten Arbeitstag spüren, wäre dies auch ziemlich anstrengend!


Doch dauerhafte Langeweile kann frustrieren und für einen Leistungsabfall sorgen. Die Lösung ist hier eine gute Balance zwischen langweiligen Routine Tätigkeiten und neuen Elementen, die Abwechslung in den Arbeitsalltag bringen.


So können deine Mitarbeiter stets neue Sachen lernen und freuen sich hinterher vermutlich auch mehr auf ihre gewohnten Tätigkeiten.


Job Rotation und Job Enrichment sind hierfür gute Methoden. Job Rotation gewährt deinen Mitarbeitern Einblicke auf andere, gleichwertige Positionen und Job Enrichment erweitert ihr bisheriges Tätigkeitsfeld um Aufgaben, die auf einem höheren Anforderungsniveau liegen.


Du könntest deine Angestellten auch einfach mal um ein Brainstorming bitten, welche Verbesserungsmöglichkeiten sie an ihrer Position, Abteilung, Büro oder Firma sehen.


Je eintöniger die eigentliche Arbeit, desto mehr Abwechslung solltest du etablieren, wenn deine Angestellten an Langeweile leiden. Eine Stunde pro Woche kann schon reichen.



Fazit: Negative Emotionen lassen sich nicht verhindern, aber reduzieren!

  • Emotionen werden sehr individuell empfunden.

  • Negative Emotionen sorgen für Stress, Ablenkung und Anstrengung.

  • Sie können durch Konflikte, Trigger oder aufgestaute Kleinigkeiten entstehen.

  • Durch eine wohlwollende Atmosphäre und Grundregeln im Umgang kann man negativen Emotionen auf der Arbeit vorbeugen, diese sind:

  • Verständnis für andere zeigen.

  • Seinen Mitmenschen stets eine positive Absicht unterstellen.

  • Die Meinungen anderer akzeptieren und wertschätzen.

  • Die eigenen Emotionen von außen beobachten und so etwas mehr Kontrolle über sie haben.

  • Emotionen bewusst wahrnehmen und differenzieren.

  • Als Vorgesetzter ein Gutes Vorbild sein.

  • Versuche nicht, wütende Mitarbeiter offensichtlich und mit Logik zu beruhigen, frage sie stattdessen, ob sie gerade Lösungen oder lieber ein offenes Ohr wollen.

  • Neidische Angestellte solltest du in ihrem Selbstvertrauen stärken und ihnen geschickt Eigenverantwortlichkeit näher bringen.

  • Unsichere Mitarbeiter sollten ebenfalls ihr Selbstwertgefühl stärken und vermittelt bekommen, dass Unsicherheit per se nichts schlechtes ist und zum Leben dazugehört.

  • Frustrierte Mitarbeiter brauchen meist eine Pause und ebenfalls ein offenes Ohr.

  • Langeweile auf der Arbeit gehört dazu und sollte lediglich durch kleine Abwechslungen ausbalanciert werden.

Negative Emotionen Teil 2 Zusammenfassung HAPPINESS MANAGEMENT BLOG
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Wie gehst du mit negativen Emotionen deiner Angestellten um?

Mit welchen Methoden hast du die besten Erfahrungen machen können?

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